Das Leben in Zeiten von Corona

Zeit des Wandels

Weiser Mensch

Die Kraft der Vielfalt in sich wandelnden Zeiten

Mit einem Mal steht die Welt, wie wir sie kennen, still. Ein Virus versetzt uns in Atemnot, als Symptom der Erkrankung ebenso wie durch seine Auswirkungen auf uns als Gesellschaft ­– als globale Gesellschaft. 
Wie wird es weitergehen? Werden die getroffenen Maßnahmen ausreichen? Wie wird es uns verändern? Ist es in dieser Lage überhaupt angemessen, inmitten der Pandemie die Zerstörung der Umwelt anzuprangern?
Aus wissenschaftlicher Perspektive stehen unsere Umwelt und das Virus in direktem Zusammenhang und das Auftreten der Pandemie ist leider kaum überraschend. Am wenigsten überrascht die Tatsache, dass das Virus über ein Wildtier den Weg zum Menschen fand. Weltweit schrumpfen die wenigen noch intakten Ökosysteme und werden zudem immer weiter zerstückelt. Dadurch werden auch die Gruppen der in diesen Ökosystemen lebenden Wildtiere zunehmend kleiner und ein neuer Erreger hat leichtes Spiel sich rasch auszubreiten. Während wir die Lebensräume wilder Tiere zerstören, rücken wir zeitgleich immer näher an diese heran. Wie auf dem Präsentierteller bieten wir uns für Viren und Bakterien als Wirt an. 
Wir sind viele, wir leben im und durch unser Miteinander und dazu sind wir sagenhaft gut vernetzt und das rund um den ganzen Globus.
Nun ist aus der erschreckenden Theorie so unvermittelt schreckliche Realität geworden und das Virus tief in unseren Alltag und unser Miteinander eingedrungen. Mit all unserem Wissen sehen wir, dass diese Krise jetzt mit der viel größeren Krise, in der wir ebenso stecken, unmittelbar zusammenhängt. Diese Suppe haben wir uns selbst eingebrockt. Nun müssen wir sie wohl oder übel auch selbst wieder auslöffeln und aus ihren Folgen lernen. Langsam beginnen wir zu begreifen, was das wirklich bedeutet. Das Virus ist unsere Chance. Wenn wir jetzt das Ruder herumreißen, können wir das Schlimmste noch vermeiden.

Herbst2
Weiser Mensch?
Unsere Vorfahren haben unserer Art den Namen Homo sapiens, weiser Mensch, gegeben. Wir rühmen uns mit unserem Bewusstsein, unserem Verständnis der Welt und unserer angeblichen Überlegenheit. 
Wir entschuldigen uns mit unserer Biologie. Sind wir doch evolutionsbiologisch nicht dafür eingerichtet in Jahrhunderten, Jahrtausenden oder gar über unseren Tellerrand zu denken. Das Virus entspricht eher einer Zeitdimension, die wir fassen können. 
Doch ist es eben nur ein Aspekt der größeren Krise, die wir mit täglich steigender Dringlichkeit ernsthaft angehen müssen. Es ist die Gelegenheit uns  als Weltgemeinschaft zu begreifen und uns zu wappnen.
Natürlich war es zeitlebens das Beste nach mehr zu streben, nach Wachstum. Unsere Nachkommen sollten es einmal besser haben. 
Nun aber wird es unseren Kindern, Kindeskindern und deren Kindern wohl nicht besser gehen. Nicht wegen des Virus, sehr wohl aber durch die Zerstörung unserer Umwelt. Wir sind eben doch in der Lage in diesen größeren Zeitskalen zu denken. Wir sind uns unserer Vergänglichkeit bewusst und wir wissen ob der Bedrohung durch den Verlust biologischer Vielfalt und das sich wandelnde Klima. Beides untrennbar miteinander verbunden, wie alles auf diesem Planeten verbunden ist. Seit Jahrzehnten wissen wir darum nach bester wissenschaftlicher Manier. 
Herbst3

Das Wachstum, nach dem wir streben, hat schon lange unser eigenes Wohlergehen aus den Augen verloren.

Wirklich glücklich hat es uns nicht gemacht, nur immer atemloser, entfremdet von der Natur. Nun gibt uns die Natur selbst die Gelegenheit, unser Miteinander und unsere Prioritäten zu überdenken und in Frage zu stellen. Der Stillstand ist die Chance für uns, zu begreifen, worauf es wirklich ankommt. Werden wir doch nicht müde unseren Lebensstil anzuprangern. 

Unsere Nachkommen werden lange an dieser Suppe zu löffeln haben. Leben wir doch heute in einer Welt, in der es einfacher, sprich billiger, ist, das Falsche zu tun. Und so machen wir entgegen all unserem Wissen immer weiter und glauben auch noch ein Anrecht darauf zu haben. Es ist die größte Herausforderung, vor der wir weisen Menschen jemals standen. Damit ist es aber auch die einmalige Gelegenheit, unserem selbstgewählten Namen gerecht zu werden. Tun wir es nicht, wird niemand von uns mehr über die Absurdität lachen können.

Wise man?
Rettet die Erde?
Uns selbst gilt es zu retten. Unseren Lebensraum. Der Planet wird uns überstehen. Die Natur sich erholen. Neues wird kommen und vergehen. Nur der Wandel ist beständig. 
Wenn wir nicht aufpassen, wandelt sich unsere Welt aber ohne uns und das wäre doch wirklich schade.
Wir sind fähig, die Schäden, die wir angerichtet haben, zu sehen. In weiten Bereichen können wir sogar ihre Auswirkungen auf die Zukunft erfassen. Und wir haben Ideen, was wir dagegen tun können. Unzählige Ideen kämpfen um den Erhalt unseres Lebensraumes. 
Die Wissenschaft gilt uns auf dieser Reise als wichtiges Gut und als Kind unserer Geschichte ist sie fest in der modernen Welt verankert. Ihr obliegt es, die Probleme zu erkennen, zu beschreiben und nach Lösungen zu forschen. Das tut sie, das hat sie getan und das wird sie hoffentlich auch in Zukunft tun können. 
Nun betrachten wir die wissenschaftlichen Modelle, die uns den weiteren Verlauf der Ausbreitung des Virus prognostizieren. Und wir betrachten sie im Zusammenhang mit den Kapazitäten unserer Gesundheitssysteme. 
Jetzt schaffen wir es, wissenschaftliches Wissen in politisches und gesellschaftliches Handeln zu übersetzen. 
Bezüglich des Klimas und dem Rückgang der Biodiversität sind es eben solche Modelle, die die Dringlichkeit zum Handeln immer deutlicher betonen. Ihre Aussagekraft steht der unserer gegenwärtigen Lage in nichts nach. Unsere Handlung in der jetzigen Krise sollte an ihrem Ende zur Handlung in der noch viel größeren Krise werden. 

Herbst5
Was wir dafür brauchen? 
Uns bedroht der Verlust der Vielfalt. Das gigantische Massenaussterben droht uns sprichwörtlich den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Gleichzeitig wandelt sich das Klima. Es wird wärmer, unvorhersehbarer, extremer. Der Wandel ist da. Wir werden ihn nicht mehr aufhalten, also müssen wir uns anpassen. 
Noch haben wir es in der Hand die Erwärmung zu begrenzen, denn wir wissen, wo wir anzusetzen haben. Wir wissen, wo die Probleme liegen. 2020 werden wir wahrscheinlich erstmals unsere selbstgesetzten Klimaziele einhalten. Die Natur zwingt uns dazu. Ein Wink mit dem Zaunpfahl. Im Vergleich zu dem was uns erwartet, wenn wir nicht handeln, allerdings ein recht sanfter Zaunpfahl. Eine Lösung kann nur gemeinschaftlich funktionieren, sozial und ökologisch. Nur im Miteinander lässt sich diese gewaltige Aufgabe meistern!
Einiges können wir im Kleinen bewerkstelligen, jede*r Einzelne von uns. Es bleibt uns nichts als zu handeln, um den Prozess der Veränderung einzuläuten und unsere Bereitschaft zum Anpacken zu zeigen. 
Den Wandel aber ernsthaft in der notwendigen Größenordnung anzugehen, ist Aufgabe der Politik. Sie muss unseren Lebensraum endlich als das begreifen, was er ist: das höchste Gut, das wir haben. Die Grundlage unseres Seins. 
Die Politik setzt den Rahmen für unser gemeinsames Leben auf diesem Planeten – regional, national, global. Dieser Rahmen hat die Aufgabe, das Richtige attraktiver machen als das Falsche. Es ist höchste Zeit den Erhalt unserer Umwelt und damit den Schutz der gigantischen Vielfalt, die uns zwischen den Fingern zerrinnt, über marktwirtschaftliches Streben und finanzielles Wachstum zu stellen. Wir sind eingewoben in ein Netzwerk, ohne das wir nicht existieren können. Erhalt und Wiederaufbau dieses Netzes führen uns in eine Gesellschaft, in der wir als Menschen im Vordergrund stehen. In eine Gesellschaft, die unserem selbst gewählten Namen zur Ehre gereicht.
Dabei gibt es nicht die eine (technische) Lösung. Wir müssen der Komplexität des Problems gemeinsam mit ebenso vielfältigen Lösungen begegnen. Um aus diesem Dilemma wieder herauszufinden, ist es an der Zeit all unser Wissen in konkrete Handlung zu übersetzen. 
Es gilt alle Möglichkeiten zu nutzen, deren Folgen wir abschätzen und im Wandel jederzeit anpassen können. Immerhin wissen wir auch, dass wir Fehler machen. 
Herbst7
Vielfalt statt Einfalt
Nur weil es nicht einfach wird, ist das kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Wir streben doch immer nach Herausforderung. Und für diese Herausforderung ist es an uns allen, das gesammelte Wissen zu vernetzen, aus seiner Vielfalt zu schöpfen und die vielen Lösungen im Raum endlich für unser aller Wohl einzusetzen. 
Die Evolution hat unseren Verstand herausgebracht, auf den wir so stolz sind. Nun gilt es mit seiner Hilfe uns als Art langfristig das Überleben zu sichern!
Vielfalt ist der Schlüssel. Die Vielfalt unserer Kulturpflanzen, die Vielfalt in gesunden Böden, die Vielfalt intakter Ökosysteme, die kulturelle und soziale Vielfalt in einer globalisierten Welt, die Vielfalt des Denkens, des Glaubens und die Vielfalt unserer Ideen. 
Die gigantische Vielfalt unseres Planeten sorgt für die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, die Böden, auf denen wir wandeln und unsere Lebensmittel gedeihen. Als Verstandeswesen haben wir begriffen, dass diese Vielfalt die Grundlage unserer Existenz ist. 
Wir können vielleicht die tatsächliche Komplexität nicht erfassen, aber wir wissen, was auf dem Spiel steht. Wir wissen, wo unsere Fehler liegen. Und wir wissen auch, wie wir sie angehen können. 
Der Verlust der Vielfalt bedroht unsere Existenz, die Corona-Krise gibt uns einen bitteren Vorgeschmack. Der Erhalt und Wiederaufbau dieser Vielfalt ist die Lösung. Wir sind mittendrin im Wandel und ganz gleich was wir tun, er wird nicht mehr rückgängig zu machen sein. Zeigen wir als weise Menschen, dass wir imstande sind, das vorhandene Wissen in Handlung umzusetzen. 

Wir haben alles zu verlieren
und noch mehr zu gewinnen.
Herbst4
VirusBorde
error: Sorry, aber wenn du Interesse an meinen Bildern hast, dann schreib mir doch bitte.